sehenhören fühlen
 

 

Intro Ausgabe März 2003


Namen sagen dir, wer du bist. Und so hatte ich selbst bereits ein Bild im Kopf, als mir angetrunkene Opinion-Leader atemlos von einer übergeschnappten Kölner Zwei-Mann-Band erzählten, die so heißen, wie sie heißen und irgendwie furchtlos ihre Koordinaten zwischen Hedonismus, Schlager, expressiver Performance und Eighties-Pop abgesteckt hätten. Das scheiß Ende der Spaßgesellschaft hat Kölner Zwei-Mann-Bands wohl längst noch nicht erreicht, dachte ich da. Und warf die aufgepeitschten Opinion-Leader von meinem Rücken ab und nörgelte missmutig rum. Nur ein paar Begegnungen mit Band und Songs später sieht das alles anders aus. Auf der verbrannten Erde der Schnittstelle von Pop und greller Ironie panzert diese Formation tatsächlich so selbstverständlich, als hätte es Guildo Horn und Peter Licht nie gegeben. Welch eine kaum zu vermittelnde Leistung. Die erste Single in angeberischem Vollweiß-Vinyl featurt zwar nur drei Versionen eines Songs, stellt aber alles klar. Wo dereinst Rocko Schamoni in den Neunzigern mit um die Ecke gedachten Skurril-

 

Referenzen Trash letztlich nur über die Brechung und das Wissen darüber zum Goutieren freigab, feiert diese Single all die Brüche ganz locker und einfach ab.Die Herangehensweise erinnert komischerweise bezüglich der Idee an Andrew W.K., dessen Power ja auch eher die Kapitulation vor bzw. das Ausleben von der Affirmation des vermeintlich ästhetisch Verkotzten darstellte. Sicher besteht dadurch hier - und auch gerade wegen der im Mainstream noch längst nicht gebrochenen Comedy-Herrlichkeit - die Gefahr, dass mit dem Over-Acting nur der Soundtrack zu dem debilen Studi-Feten-Kanon bedient wird. Dennoch. Rezeptionsästhetik wird von der Band ohnehin geoutet als dummer Witz. Und dieser Song hat es eben drauf, den Wahn deiner Party ins Unermessliche zu potenzieren. Und das ist ja nicht nur irgendein geschmäcklerischer Scheiß sondern kratzt an glamouröser Erweckung. Ach, und apropos Schamoni. Der Refrain ist nicht weniger als ein Zitat aus dessen ebenfalls übergeschnappten Buches "Risiko Des Ruhms" und lautet: "Oh-ho, wie geil ist das denn?"



Linus Volkmann

 

 

pittiplatsch3000 September 2002

die formation doppelherz 2000-...für Dich
ebenfalls humor müssen die jungs von dfd 2000 haben- denn anders als die üblichen revivalwellenreiter gehen die beiden kölschen jungs die 80er jahre von einer ganz anderen, wahrscheinlich sogar der authentischeren (weil ungeschönten) seite an. das hier ist nämlich eher die falcoschiene. das romantic-kuschelrock-cover zusammen mit den darin abgedruckten (!) durch all die rosa herzen homoerotisch wirkenden texten (auszug: "schieß amor schieß peng mitten in mein herz yeah") und alphaville-harmonien hat schon was. auf jeden fall noch viel weniger street credibility als die aufgesetzte coolness der anderen. hieraus spricht noch echte sehnsucht! nino de angelo, wo bist du? und in diesem kontext der mutmaßlichen uncoolness darf man sogar noch das unsägliche "wie geil ist das denn?" sagen, nämlich aols prä-hiphop-refrain mit lakonisch dazwischengeworfenen "eh, wie geil ist das eigentlich." und man darf auch richtige diskobrecher schreiben. " geh weg aus meiner disko!" fühlst du dich angesprochen, neo-new-waver?

mawe

 

Saarbrücker Zeitung Februar 2002

Der Schlager-Reim lebt
Mit Kunsthund, Witz und Ironie: Die Formation Doppelherz 2000 in Jochems Kneipe

Hier reimt sich Pommes rot-weiß auf Vanilleeis, und die Sprüche sind witzig und frech: Die Formation Doppelherz 2000 gastierte beim Riegelsberger Kulturverein in Jochems Kneipe. Und sie sorgte für prima Stimmung.

Riegelsberg. Ein eleganter Kunsthund, künstliche Blumen und Leuchtherzen gehören zum Ensemble. Tim B. und mutter f treten als Zwillinge gestylt auf. Sie tragen spitze Schuhe, knappe Tops, Hüfthosen und Hundehalsbänder. SIe nennen sich Die Formation Doppelherz 2000 und traten vor drei Jahren beim Valentindfest im Bahnhof erstmals singend in Erscheinung. Jetzt studieren sie in Köln und gastieren beim Riegelsberger Kulturverein in Jochems Kneipe. Vom Stil her setzen sie auf Minimalismus. Sie singen Sachen wie "Gib mir dien Zärtlichkeiten, ich brauche deine Streicheleinheiten". Oder: "Ich träum' von der Vergangenheit, zum Traurigsein bin ich immer bereit". Pommes rot-weiß reimt sich in den Songs auf Vanilleeis und Müller Milchreis. Und noch eine Text-Kostprobe: "... mit breiten, wehenden Schwingen, der Chor der Engel wird erklingen."
Ein paar Hüftschwünge und kurzes Arme-hochreißen genügen, um Stimmung in den Saal zu bringen. Die zwei schrägen Vögel haben als Entertainer was drauf. Mit flotten Sprüchen - Marke: "Da fall'n die Frauen reihenweise um, und die Typen verstehn gar nicht warum" oder "Meine Damen und Herren, wir kommen nun zu einem weiteren Tiefpunket des Abends" - führen sie durch ihr rhythmisches, launiges Programm. Sie mixen Hip Hop und Schlager, sie parodieren, haben Witz, sparen nicht mit Selbstironie und nennen die Melange "Premium Pop". Mister Snoid, bei ihrem Auftritt als Gast dabei, ist hin und weg und schwärmt: "Die haben die Einfachheit und Genialität von Kraftwerk." Die Formation singt von Leidenschaft und Sehnsucht. Und von Autoliebe - diese Lied besteht nur aus einem Satz "Das ist die Autoliebe", und jeder kann sich seinen eigenen Reim drauf machen. Seufzer, Katzengejaule, Hossa-Rufe und zur rechten Zeit ein Druck auf das Knöpfchen am Keyboard machen den Auftritt zur runden Sache. Merke: "Emotionale Bedürftigkeiten kennzeichnen moderne Zeiten."
Wer mehr von der Formation Doppelherz 2000 hören will, dem sei die CD "Für dich" empfohlen. Erhältlich ist sie auf www.dieformation.de


Beatrix Hoffmann

 

 

 

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